Von Joachim Brauner, Imker aus Bad Rothenfelde · Zuletzt aktualisiert am
- Blütenpollen ist die Eiweißquelle des Bienenvolks.
- Er enthält Eiweiß, Kohlenhydrate, Fette, B-Vitamine und Mineralstoffe – die Mengen schwanken stark.
- Noch offen: Viele Anwender fühlen sich damit wohl; große Studien am Menschen fehlen bisher.
- Risiko: Allergische Reaktionen bis zum Schock, vor allem bei Pollenallergikern.
Was ist Blütenpollen?
Pollen ist der Blütenstaub, mit dem sich Pflanzen fortpflanzen. Für das Bienenvolk ist er die wichtigste Eiweißquelle. Ohne Pollen können die Ammenbienen keinen Futtersaft bilden und die Brut nicht aufziehen.
Beim Blütenbesuch bleibt der Pollen im Haarkleid der Biene hängen. Sie kämmt ihn mit den Beinen heraus, befeuchtet ihn mit etwas Nektar und presst ihn an den Hinterbeinen zu zwei Kügelchen – den sogenannten Höschen. An der Farbe erkennt man, wo die Biene war: Löwenzahn liefert orange Höschen, Weide gelbe, Phacelia sogar blaue.

Imker ernten Pollen mit einer Pollenfalle am Flugloch. Das ist ein Gitter, durch das die Bienen gerade so hindurchpassen – die Höschen werden dabei abgestreift und fallen in eine Schublade. Ein Volk braucht selbst viel Pollen, deshalb bleibt die Falle nur zeitweise angebracht.
Je nach Pflanze enthält Blütenpollen grob 10 bis 40 Prozent Eiweiß, dazu Kohlenhydrate, Fette, B-Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Eine „Standardzusammensetzung“ gibt es nicht – jede Ernte ist anders.
Traditionelle Verwendung
Blütenpollen gilt in der Volksmedizin als Stärkungsmittel. Er wird pur gegessen, ins Müsli gestreut oder mit Honig gemischt. Verkauft wird er heute meist als Nahrungsergänzungsmittel, oft mit Versprechen zu Energie, Abwehrkräften und Leistungsfähigkeit.
Erfahrungswissen
Viele Menschen nehmen Blütenpollen morgens ins Müsli, in den Joghurt oder einfach mit Honig und berichten, dass sie sich damit fitter fühlen. Sportler schätzen ihn als natürliche Eiweißquelle, andere mögen einfach den blumig-herben Geschmack. Wer regelmäßig Pollen isst, beschreibt ihn oft als festen, guten Teil seines Tages.
Solche Erfahrungen nehmen wir ernst. Oft sind sie der Anfang von Forschung – auch das Interesse der Wissenschaft an Bienenprodukten beruht auf jahrhundertelangen Beobachtungen. Eine Erfahrung ist allerdings noch kein Beweis: Beschwerden bessern sich oft von selbst, und wer etwas Gutes erwartet, fühlt sich häufig tatsächlich besser. Deshalb braucht es Studien, um sicher sagen zu können, wem was hilft. Bis es sie gibt, entscheiden Sie selbst – mit offenen Augen.
Was sagt die Forschung?
Unbestritten ist: Blütenpollen enthält Nährstoffe. Ob er über eine ausgewogene Ernährung hinaus etwas für die Gesundheit tut, ist dagegen nicht durch gute Studien am Menschen belegt. Die meisten Untersuchungen stammen aus dem Labor oder aus Tierversuchen.
Auch die weit verbreitete Hoffnung, man könne sich durch Pollenessen gegen Heuschnupfen „impfen“, ist nicht belegt. Beim Honig aus der Region wurde das sogar direkt getestet: In einer Doppelblindstudie half er Allergikern nicht besser als ein Placebo. Eine ärztliche Hyposensibilisierung ist etwas anderes: Dort wird die Dosis genau bemessen und langsam gesteigert.
Risiken
Mehrere Fallberichte beschreiben schwere allergische Reaktionen nach dem Verzehr von Blütenpollen: Nesselsucht, geschwollenes Gesicht, Atemnot bis hin zum allergischen Schock. Oft reichte schon ein Esslöffel. Betroffen waren vor allem Menschen mit Heuschnupfen – manche wussten nicht einmal von ihrer Allergie.
- Schimmel: Frischer Pollen ist feucht und verdirbt schnell. Er muss schonend getrocknet oder eingefroren werden.
- Einstieg: Wer keine bekannte Allergie hat und Pollen probieren möchte, beginnt mit wenigen Körnchen und steigert langsam.
Aus der Imkerei
Eine Schublade voller Pollenhöschen ist eines der schönsten Dinge in der Imkerei: gelb, orange, rot, manchmal grau oder violett, jede Farbe von einer anderen Pflanze. Man sieht sofort, was im Umkreis gerade blüht.
Bei uns kommt Pollen am liebsten ganz schlicht auf den Tisch – mit Honig auf einer Scheibe Brot. Als Lebensmittel, nicht als Medizin.

Häufige Fragen zu Blütenpollen
Was ist Blütenpollen?
Blütenpollen ist der Blütenstaub, den Bienen an ihren Hinterbeinen als kleine Kügelchen, sogenannte Höschen, in den Stock tragen. Er ist die wichtigste Eiweißquelle für die Aufzucht der Brut. Imker ernten ihn mit einer Pollenfalle am Flugloch.
Ist Blütenpollen gesund?
Blütenpollen enthält Eiweiß, Kohlenhydrate, Fette, B-Vitamine und Mineralstoffe. Dass er darüber hinaus eine gesundheitliche Wirkung hat, ist nicht durch gute Studien am Menschen belegt.
Dürfen Pollenallergiker Blütenpollen essen?
Davon ist abzuraten. In Fallberichten haben schon kleine Mengen Blütenpollen bei Menschen mit Pollenallergie schwere allergische Reaktionen bis zum Schock ausgelöst.
Hilft Blütenpollen gegen Heuschnupfen?
Das ist nicht belegt. Die Idee einer Gewöhnung durch Essen ist nicht mit einer ärztlichen Hyposensibilisierung vergleichbar, bei der die Dosis genau kontrolliert und langsam gesteigert wird. Für Allergiker kann Blütenpollen gefährlich sein.
Wie lagert man Blütenpollen?
Frischer Pollen verdirbt schnell und kann schimmeln. Imker trocknen ihn deshalb schonend oder frieren ihn ein. Getrockneter Pollen gehört gut verschlossen an einen kühlen, trockenen Ort.
Quellen
- Bee Pollen-Induced Anaphylaxis: A Case Report and Literature Review. Fallbericht mit Literaturübersicht, 2015. PubMed 25749764
- Bee pollen-induced anaphylactic reaction in an unknowingly sensitized subject. Fallbericht. PubMed 11258697
- Rajan TV, Tennen H, Lindquist RL, Cohen L, Clive J. Effect of ingestion of honey on symptoms of rhinoconjunctivitis. Annals of Allergy, Asthma & Immunology 2002;88(2):198–203. researchgate.net
Diese Seite informiert, sie verkauft nichts und behandelt niemanden. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung.
Über den Autor
Joachim Brauner imkert seit 43 Jahren in Bad Rothenfelde – sein erstes Volk bekam er 1983 – und betreibt die Summgeist-Imkerei. Der gelernte Augenoptiker und Ergotherapeut hat 2020 eine Heilpraktiker-Ausbildung absolviert, die Prüfung aber bewusst nicht abgelegt: Er begleitet, er behandelt nicht. Die Heilwerte aus dem Bienenvolk kennt er seit seiner Kindheit aus der Küche seiner Großmutter. Mehr über den Autor und die Grundsätze dieser Seite.