Zum Inhalt springen
Api-Therapie
Zwei Frauen sitzen in einem Holzhäuschen und atmen über Schläuche Luft aus Bienenstöcken ein

Kapitel 8 von 8 · kaum erforscht

Stockluft: warme Luft aus dem Bienenstock

Warm, feucht, duftend nach Wachs und Honig, dazu das Summen tausender Bienen. Viele Menschen empfinden Stockluft als tief wohltuend. Die Wissenschaft hat sie bisher kaum untersucht – umso interessanter ist, was Menschen dort erleben.

Von Joachim Brauner, Imker aus Bad Rothenfelde · Zuletzt aktualisiert am

Das Wichtigste in Kürze
  • Stockluft wird über eine Maske oder in einem Bienenhäuschen direkt aus dem Bienenstock eingeatmet.
  • Viele Menschen empfinden sie als angenehm und entspannend.
  • Noch offen: Viele erleben sie als wohltuend; Wirkung und Nebenwirkungen sind wissenschaftlich kaum untersucht.
  • Risiko: Pollen- und Propolis-Teilchen gelangen tief in die Atemwege.

Was ist Stockluft?

Im Inneren eines Bienenstocks herrscht ein eigenes Klima. Im Brutnest halten die Bienen die Temperatur das ganze Jahr über bei rund 35 Grad. Die Luft ist feucht und voller Düfte: Wachs, Honig, Propolis, Pollen und die Duftstoffe der Bienen selbst. Dazu kommt das gleichmäßige Summen tausender Tiere.

Bei der Stockluft-Anwendung wird diese Luft eingeatmet. Es gibt zwei Formen:

  • Maske und Schlauch: Ein Schlauch führt aus dem Bienenstock zu einer Atemmaske. Ein Gitter hält die Bienen zurück.
  • Bienenhäuschen: Die Bienenstöcke sind in die Wände eines Holzhäuschens eingebaut. Man sitzt oder liegt darin, atmet die Luft und hört das Summen – ohne mit den Bienen in Berührung zu kommen.
Ein Mensch beugt sich über einen offenen Bienenstock, aus dem ein Schlauch zu einer Atemmaske führt

Traditionelle Verwendung

Besonders verbreitet ist die Stockluft in Slowenien, wo die Imkerei eine lange Tradition hat und inzwischen zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört. Dort gibt es zahlreiche Bienenhäuschen bei Imkern und in Kurorten. Angewendet wird Stockluft vor allem bei Atemwegsbeschwerden wie Asthma und Bronchitis, bei Heuschnupfen, zur Entspannung und bei Schlafproblemen.

Erfahrungswissen

Wer in einem Bienenhäuschen gesessen hat, erzählt meist dasselbe: die Wärme, der süße, harzige Duft, das gleichmäßige Summen, und irgendwann wird der Atem ruhiger. Viele Besucher berichten, dass sie freier durchatmen und sich danach tief entspannt fühlen. Manche kommen deshalb jedes Jahr wieder.

Solche Erfahrungen nehmen wir ernst. Oft sind sie der Anfang von Forschung – auch das Interesse der Wissenschaft an Bienenprodukten beruht auf jahrhundertelangen Beobachtungen. Eine Erfahrung ist allerdings noch kein Beweis: Beschwerden bessern sich oft von selbst, und wer etwas Gutes erwartet, fühlt sich häufig tatsächlich besser. Deshalb braucht es Studien, um sicher sagen zu können, wem was hilft. Bis es sie gibt, entscheiden Sie selbst – mit offenen Augen.

Was sagt die Forschung?

Kurz gesagt: fast nichts. Das Portal Medizin transparent, betrieben von Cochrane Österreich, hat die Studienlage geprüft. Aussagekräftige Studien zur Wirkung der Stockluft wurden offenbar nie durchgeführt oder nicht veröffentlicht. Auch Nebenwirkungen sind nicht erforscht, deshalb sind seriöse Aussagen zur Sicherheit nicht möglich.

In Deutschland wurde eine Studie registriert, die ein Stockluft-Gerät bei Asthma und COPD prüfen sollte (DRKS00012661). Veröffentlichte Ergebnisse, die eine Wirkung zeigen, sind nicht bekannt.

Was bleibt, ist die Erfahrung vieler Menschen, dass Wärme, Duft und Summen ihnen guttun. Das ist nicht wenig – aber es ist etwas anderes als eine nachgewiesene Wirkung auf die Lunge.

Risiken

Allergene direkt in die Atemwege

Mit der Stockluft gelangen feinste Teilchen aus Pollen, Propolis und Wachs direkt und tief in die Atemwege. Das ist genau der Weg, auf dem Allergien Asthmaanfälle auslösen. Menschen mit Asthma, Heuschnupfen oder einer bekannten Allergie gegen Bienenprodukte sollten Stockluft nur nach ärztlicher Rücksprache ausprobieren.

Wer ärztlich behandelte Atemwegserkrankungen hat, setzt seine Medikamente wegen der Stockluft nicht ab und hat sein Notfallspray griffbereit.

Aus der Imkerei

Wer einmal an einem warmen Sommerabend neben einem starken Bienenvolk gesessen hat, kennt den Duft, der aus dem Flugloch strömt: süß, würzig, nach Wachs und Blüten. Das Summen ist gleichmäßig und beruhigend. Man versteht, warum Menschen das als wohltuend empfinden.

Für die Bienen ist ein Stockluft-Häuschen übrigens kein Problem, solange es gut gebaut ist. Die Völker leben dort wie in jeder anderen Beute und haben ihr Flugloch nach außen.

Häufige Fragen zu Stockluft

Was ist Stockluft-Therapie?

Bei der Stockluft-Therapie atmet man Luft ein, die direkt aus einem Bienenstock kommt – entweder über eine Maske und einen Schlauch oder in einem Häuschen, in dessen Wände Bienenstöcke eingebaut sind. Die Bienen selbst können nicht herein.

Hilft Stockluft bei Asthma oder Bronchitis?

Das ist nicht belegt. Aussagekräftige Studien zur Wirkung von Stockluft gibt es nicht. In Deutschland wurde eine Studie bei Asthma und COPD registriert, veröffentlichte Ergebnisse, die eine Wirkung zeigen, sind nicht bekannt.

Ist Stockluft gefährlich?

Auch die Nebenwirkungen sind nicht untersucht. Da mit der Luft Pollen- und Propolis-Teilchen direkt in die Atemwege gelangen, können Menschen mit Asthma oder Allergien darauf reagieren. Sie sollten vorher ärztlichen Rat einholen.

Wo kann man Stockluft einatmen?

Besonders verbreitet ist die Stockluft-Anwendung in Slowenien, wo es zahlreiche Bienenhäuschen bei Imkern und in Kurorten gibt. Auch in Deutschland bieten einzelne Imkereien und Heilpraktiker sie an.

Quellen

  1. Medizin transparent (Cochrane Österreich). Luft aus Bienenstock gegen Asthma? medizin-transparent.at
  2. Lungenärzte im Netz. Wie gesund ist die Luft im Bienenstock? lungenaerzte-im-netz.de
  3. Deutsches Register Klinischer Studien. Studie DRKS00012661 zur Bienenstockluft bei COPD und Asthma bronchiale. drks.de
  4. Slovenian Tourist Board. A Rendezvous with the Api Experience. slovenia.info

Diese Seite informiert, sie verkauft nichts und behandelt niemanden. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung.

Über den Autor

Joachim Brauner imkert seit 43 Jahren in Bad Rothenfelde – sein erstes Volk bekam er 1983 – und betreibt die Summgeist-Imkerei. Der gelernte Augenoptiker und Ergotherapeut hat 2020 eine Heilpraktiker-Ausbildung absolviert, die Prüfung aber bewusst nicht abgelegt: Er begleitet, er behandelt nicht. Die Heilwerte aus dem Bienenvolk kennt er seit seiner Kindheit aus der Küche seiner Großmutter. Mehr über den Autor und die Grundsätze dieser Seite.

Zurück zum Anfang · 1 von 8HonigDas am besten untersuchte Bienenprodukt.